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Diagnose: Depressive Episode mit Angst- und Panikstörung

Hallo ihr Lieben,

nachdem ich mir endlich eingestanden hatte, dass ich Hilfe brauche, weil ich körperlich und emotional ausgebrannt war, bin ich zur Ärztin gefahren. Dort habe ich alles erzählt, wie es mir in den letzten Wochen ging. Ich habe von der Leere, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und der Freudlosigkeit sowie den Schlafstörungen erzählt. Die Freudlosigkeit machte mir am meisten zu schaffen. Zu meinen Interessen hatte ich so gar keinen Zugang und konnte diese nicht umsetzen. Ich hatte keine Freude bzw. Vorfreude auf die Wochenenden und selbst exklusive Zeit mit den Kindern, wie z. B. Buch vorlesen, ließen mich nicht zur Ruhe kommen. Unter Tränen habe ich ihr davon erzählt, dass mir mit den Kindern alles zu viel wird und ich mich allein gelassen gefühlt hatte. Die Angstgedanken mit Angst vor der Angst, Panikgefühle und Panikattacken hatte ich beschrieben.

Total verständnisvoll redete sie mit mir über alles und ihre Worte waren teilweise so heilsam, denn seit Wochen hatte ich mich nicht so verstanden gefühlt. Sie sagte mir, dass es sich bei all dem ganz klar nach einer depressiven Episode mit Angst- und Panikstörung anhört und sie würde der Vertretungsärztin bezüglich einer Medikation zustimmen. Ebenfalls sagte sie auch, dass sie schon während meiner Magenentzündung im April so ein Gefühl hatte, dass etwas nicht stimmt. Ich sagte ihr mehrmals, dass ich keine Medikamente nehmen möchte und lieber erst alles abklären lassen möchte. Mir wurde daraufhin Blut abgenommen, um einen Vitamin-Mangel auszuschließen und meine Schilddrüsenhormone zu checken, da ich seit Jahren eine Schilddrüsenunterfunktion habe. Ich wollte das Thema Medikation unbedingt umgehen, da ich mich so geschämt hatte, dass ich dies benötigen würde.

Zu Hause habe ich telefoniert und mich mit Freundinnen ausgetauscht. Danach hatte ich so viel geweint, da ich einfach nicht mehr wusste, wie es weitergehen soll. Mir fehlte komplett die positive Sicht auf die Zukunft. Denn ich wusste, dass sich meine Lebensumstände in der nahen Zukunft nicht einfach ändern würden. Alles wirkte so ausweglos. Ich weinte jeden Tag und auch Angstgedanken quälten mich weiterhin ab und zu. Ein paar Tage später war ich zur Kontrolle bei der Ärztin, um die Blutwerte zu besprechen. Bis zu dem Freitag war ich krank geschrieben, konnte mich erholen und Kraft tanken. Die Blutwerte ergaben, dass bei den Schilddrüsenhormonen alles in Ordnung war, ich allerdings einen Vitamin-D-Mangel hatte. Einen Wert von knapp 33 nmol/l bei einer Spanne der Normwerte zwischen 75 bis 125 nmol/l fand ich extrem erschreckend. Die Ärztin sagte gleich: „Sie müssen unbedingt mehr nach draußen.“

Ich dachte: „Alles klar, das ist der Grund für mein Dilemma.“ Mir war ja bewusst, dass Vitamin D eine große Rolle bei der Stimmung spielt. Daher ließ ich mir Medikamente verschreiben und war felsenfest davon überzeugt, dass bald alles besser wird. Am langen Pfingstwochenende war ich mit den Kindern sehr viel allein, da der Papa unterwegs war. Ich war so stolz auf mich, da ich alles gut hingekriegt hatte. Die Leere und Traurigkeit sowie die Wut und Anspannung holten mich abends wieder ein. Dann war sie wieder da, diese Stimme der Angst. Ein kleiner Moment der Selbstzweifel, ein klitzekleiner Gedanke. Die Stimme in mir die leise fragte: „Morgen muss ich wieder arbeiten. Ob ich das wohl alles schaffe?“

Plötzlich ging es los, Herzrasen, Gedankenkarussel und dieses Unwohlsein im Magen. Ich wollte durchhalten, arbeitete am nächsten Tag. Dafür hatte ich eigentlich gar keine Energie, war mit den Gedanken auch ständig bei meinen körperlichen Symptomen, die es mir so schwer machten, mich zu konzentrieren. Am Abend überwältigte mich meine Traurigkeit und ich weinte sehr lange. Danach fühlte es sich eigentlich besser an. Trotzdem war alles zu schwer. Der Papa musste los zur Arbeit. Ich war völlig überfordert mit den Bedürfnissen der Kinder. Die Zaubermaus musste ins Bett gebracht werden und dabei lasse ich mir gern Zeit. Der Große hatte einen schlechten Tag in der Schule und wollte sich austauschen. In mir tobte es. Ich hätte mich am liebsten zerteilt, um beiden gerecht zu werden.

Da das nicht ging, startete das Gedankenkarussel. Die Panikgefühle kamen auf. Ich fühlte mich wieder wie eine Versagerin, die sich nicht um ihre Kinder kümmern kann und dann auch noch diese Probleme hat. Leise weinte ich, während ich neben der Zaubermaus lag. Mir war abwechselnd heiß und kalt, mir wurde schlecht. Der Papa blieb noch etwas und sprach mit dem großen Bruder. Das beruhigte mich ein wenig, trotzdem war es schon zu spät. Die Panikattacke war trotzdem da. Ich konnte sie gut regulieren und als die Kleine schlief, konnte ich noch zum Großen gehen.

Mir war klar, so kann es nicht weitergehen. Der Würgereiz, der Druck im Magen und dieses unwohle Gefühl ließen mich nicht los, sodass ich gar nicht gut einschlafen konnte. Als ich am Morgen auch noch spucken musste, stand ganz klar fest, dass ich wieder zu meiner Ärztin fahren werde. Bevor ich zu ihr fuhr, saß ich grübelnd in der Sonne und machte mir Gedanken, welchen Schritt ich nun wohl gehen werde. Die häufiger auftretenden Angstgedanken und Panikgefühle verunsicherten mich so sehr, sodass meine Angst noch mehr geschürt wurde. Ich sah keinen anderen Ausweg mehr für diese ständige Unruhe in mir, diese Rastlosigkeit, dieses Gefühl von tausenden Stromschlägen im Gehirn.

Daher besprach ich mit meiner Ärztin den Beginn meiner Medikation mit einem Antidepressivum. Ich hatte Vertrauen darin, gleichzeitig machte ich mir jedoch extreme Sorgen um die Nebenwirkungen und ein kleiner Teil in mir konnte sich gar nicht vorstellen, dass es sich jemals anders anfühlen würde als zu diesem Zeitpunkt. Meine Ärztin warnte mich, dass mein Körper sich erst an das Medikament gewöhnen müsse und es mir in den kommenden Wochen noch etwas schlechter gehen könnte, dass ich wahrscheinlich das Gefühl haben würde, es sei nun alles noch schlimmer. Doch zum Test müsse ich das Medikament aber unbedingt mindestens einen Monat durchnehmen.

Zwei Tage später begann ich die Therapie mit der Medikation. Ich weiß nicht, ob es eine echte Reaktion als Nebenwirkung auf das Medikament war oder, ob es mein Kopf war, der mir einen Streich spielen wollte, jedenfalls musste ich knapp eine Stunde nach der ersten Einnahme so heftig spucken, dass ich den ganzen Tag kaum was essen konnte. Ich schwitzte viel, hatte Bauchschmerzen, mir war übel und ich kam einfach nicht von der Couch hoch. Den ganzen Vormittag lag ich einfach nur da und konnte die Augen nicht offen halten. Später wurde es etwas besser und am Abend bin ich gleich völlig erschöpft mit der Zaubermaus eingeschlafen. Am nächsten Tag folgten weiterhin etwas Übelkeit, Kopfschmerzen und Müdigkeit.

In den nächsten Wochen legte ich den Fokus auf Entspannung, einfach endlich mal den Körper runterfahren. In den ersten Wochen der Krankschreibung war ich morgens noch immer so müde und antriebslos, dass es mir sehr schwer fiel in den Tag zu starten. Ich hatte mich viel auf der Couch ausgeruht und geschlafen, wenn die Kinder bis zum frühen Nachmittag in der Schule und Kita waren. Zufälligerweise war das auch der Zeitpunkt, als mein erstes Rezept für Massage anfing. Denn meine Ärztin hatte mir dies im März bereits verschrieben. Erst war ich so aufgeregt und voller Angstgedanken, dass ich am liebsten abgesagt hätte. Doch ich nahm all meinen restlichen Mut zusammen und es war so schön, einfach mal Entspannungszeit für mich zu haben und etwas gegen diese Dauerverspannungen im Nacken- und Rückenbereich zu tun. Das tat einfach unfassbar gut.

Diese ersten Wochen waren wirklich noch einmal hart für mich, die ganzen Gefühle wirkten irgendwie noch mehr. Oft fragte ich mich, wie es dazu kommen konnte und war so wütend auf mich, dass ich es hatte soweit kommen lassen, dass es mir nun so geht. Ich suchte viel den Austausch zu anderen. Nun selbst diese Erkrankung am eigenen Leib zu erfahren und wie hilflos ich mich gefühlt habe, nicht verstanden zu werden, teilweise belächelt zu werden. Doch ich muss sagen, dass der Großteil, mit dem ich darüber sprach sehr verständnisvoll war und ein offenes Ohr für mich hatte.

Mitten in den Start meines Therapiebeginns mit der Medikation fiel mein 38. Geburtstag. Ein Tag, der mir sonst so heilig ist. Ich mag es, wenn die Menschen an diesem Tag an mich denken und ich beschenkt werde, auch wenn mir die Aufmerksamkeit oft schnell zu viel wird. In diesem Jahr fand ich es doch sehr schwer, den Tag zu genießen. Ich versuchte, mich über kleine Dinge wie Blumensträuße zu freuen. Ich wollte auch unbedingt Fotos machen, am Ende sind es doch einige Wochen in diesem Jahr, in denen ich weder mit der Kamera noch mit dem Handy fotografierte. Es machte keinen Spaß und ich hatte keine Energie. Für mich war das der traurigste Geburtstag.

Lange war der traurigste Geburtstag der, an dem ich in 2007 allein in Stralsund für einige Monate lebte und arbeitete. Mein 20. Geburtstag fiel in die Woche, also war ich allein in meiner kleinen Wohnung und feierte mich selbst mit Yes-Törtchen und Kerzen. Ich machte damals sogar Selbstportraits, die ich noch sehr gut vor Augen habe. Ich war ein wenig traurig und fühlte mich sehr einsam. Doch im Vergleich zu all der Leere, Lustlosigkeit und Traurigkeit, die ich in diesem Jahr an meinem Ehrentag spürte, war das damals gar nicht so schlimm.

Es dauerte einige Wochen, bis ich die ersten positiven Auswirkungen der Medikation verspürte und wieder etwas mehr Antrieb hatte. Ich machte viele Spaziergänge zum nahegelegenen Wald und hörte dabei Hörbücher. Das Gedankenkarussel wurde langsamer, doch aussteigen konnte ich noch immer nicht. Ich hielt mich einfach an den Rat meiner Ärztin und tat das, was sich richtig und gut anfühlte.

Bis hierhin soll es das nun gewesen sein. In den nächsten Beiträgen werde ich euch mit durch meine Heilungsreise nehmen. Da mir das Thema der mentalen Gesundheit schon vor meiner eigenen psychischen Erkrankung ein Herzensthema war, werde ich meine Erfahrungen und Erlebnisse nutzen, um euch dieses Thema näher zu bringen.

Liebe Grüße

Sabrina

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