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Und plötzlich war sie da, die Angst – Teil 1

Hallo ihr Lieben,

das wird heute ein sehr emotionaler Beitrag für mich, denn ich will euch über meine Krankheitsgeschichte aufklären. Mehrere Monate habe ich mich nun vom Blog und Instagram zurückgezogen. Auch bei meiner beruflichen Tätigkeit war ich mehrere Monate krank geschrieben. Ich brauchte sehr viel Zeit, um mich zu stabilisieren. Denn ich befand mich in einer akuten Phase einer depressiven Episode mit Angst- und Panikstörung. Gefühlt kam es von heut auf morgen. Doch ein tiefer Rückblick mit sehr viel Selbstreflexion ließ mich erkennen, dass sich dies schon einige Monate zuvor ankündigte.

Die Erkenntnis

Im Juni erkannte ich, dass es mir seit Wochen, eher schon seit Monaten nicht gut ging und dass ich Hilfe brauchte. Ich wusste, allein würde ich aus diesem emotionalen Tief nicht mehr heraus kommen. So hatte ich mich noch nie zuvor in meinem Leben gefühlt. Jeder hat mal schlechte Tage und ist traurig. Doch dies war anders und ich hatte große Angst, dass es sich nur verschlimmert, wenn ich nichts dagegen tun würde. Mein Horrorszenario war, dass ich völlig ausgebrannt in eine Klinik eingeliefert werden würde und wochenlang nicht bei meinen Kindern sein könnte.

Ende März des Jahres litt ich an einer starken Magenentzündung. Ich musste spucken, ohne dass ich was gegessen hatte. Tagelang konnte ich kaum was essen, ernährte mich am Tag von einem Zwieback und einer Banane. Ich hatte kaum noch Kraft, war müde und einfach unfassbar schlapp. In den Abendstunden und auch oft in der Nacht hatte ich so starken Magendruck, sodass ich nicht schlafen konnte und ich möglichst aufgerichtet blieb, damit die Schmerzen nicht zu stark werden.

Vielleicht wäre es das Beste gewesen, einen Krankenwagen zu rufen und mich im Krankenhaus untersuchen zu lassen. Jedoch hatte ich zu große Angst im Krankenhaus allein zu sein, da mein Partner nicht hätte bei mir sein können, sondern bei den Kindern. Schlimmer war die Angst davor, die Kinder „allein“ zu lassen, vor allem der Zaubermaus gegenüber. In ihren 4 Jahren, die sie uns bereits begleitet, waren sie und ich nicht eine Nacht getrennt voneinander. Jede Nacht schlafen wir nebeneinander. Also kam das in meinem Kopf einfach überhaupt nicht infrage.

Bei den niedergelassenen Ärzten hatte ich alles abklären lassen und wartete darauf, dass es mir einfach wieder gut gehen würde. Tagsüber schlief ich oft und ruhte mich aus während der Papa sehr viel übernahm von dem, wofür sonst ich zuständig war. Erst ein Antibiotikum hatte ungefähr eine Woche später für eine Besserung gesorgt. Langsam konnte ich wieder etwas mehr essen. Nach und nach kam die Kraft zurück.

Achterbahn der Gefühle

Trotzdem blieb etwas – eine Traurigkeit, eine Leere und ein Gefühl nutzlos zu sein, da ich nicht arbeiten konnte. Dadurch, dass ich mich weiterhin viel ausruhte, hatte ich das Gefühl, dass mir quasi die Decke auf den Kopf fällt. Mir fehlte eine feste Struktur mit klaren Aufgaben. Das Ganze machte mich extrem unglücklich. Zusätzlich quälten mich auch noch ständige negative Gedanken und Zukunftsängste. Eine Niedergeschlagenheit und Emotionalität, die ich so von mir zuvor nicht kannte, begleitete mich durch den ganzen Tag. Ich weinte oft, manchmal ging das von jetzt auf gleich los. Nur durch Ablenkung hatte ich das Gefühl, dass sich meine Stimmung hob. Wie echte Freude fühlte es sich jedoch nicht an.

Meiner Freundin gegenüber erwähnte ich, dass ich mich irgendwie depressiv fühlte. Das fühlte sich jedoch nicht wirklich richtig an. In meinem Kopf und durch all die medizinischen Dokumente, die ich bereits geschrieben hatte, wusste ich wie schlecht es depressiven Menschen geht. Nein, das kann auf mich nicht zutreffen, dachte ich mir und wollte damit meine Gefühle herunterspielen und sie unterdrücken.

Die Zeit mit den Kindern war oft eine Herausforderung für mich, sodass ich mich komplett überfordert und überlastet gefühlt hatte. Zu diversen Ängsten gesellten sich dann auch Schuld- und Schamgefühle, vor allem den Kindern gegenüber. Da ich dachte, ich sei eine schlechte Mutter, wenn ich mich nicht gut genug um sie kümmere. Ich konnte schwer allein sein und suchte ständig den Kontakt zu anderen Menschen. Wenn mein Partner nicht da war, ging ich zu den Nachbarn oder zu den Leuten in den Gärten hinter dem Haus. So war ich abgelenkt, ich war nicht mit der Zaubermaus allein und sie war beschäftigt durch den Besuch. Meine liebe Nachbarin wurde mir in der Zeit eine große Stütze. Ich erzählte ihr alles, was mich bedrückte. Sie ist wie eine 2. Oma für mich geworden.

Während es mir körperlich wieder besser ging und ich gefühlt wieder „die Alte“ war, wollte das Grübeln mich einfach nicht loslassen. Passagier im Gedankenkarussel zu sein, bin ich ja gewohnt. Doch dieses Mal drehte es sich so schnell und keiner drückte den Stopp-Knopf, sodass ich nicht aussteigen konnte. Zunehmend bekam ich Schlafprobleme und war oft schon früh wach. Außerdem fiel es mir extrem schwer, das Hier und Jetzt zu genießen. Diese Erfahrung der Magenentzündung hatte mich extrem geprägt und ich hatte unfassbare Angst davor, dass es erneut auftritt.

Nach dem Osterwochenende wollte ich wieder arbeiten, da ich körperlich gesund war und ganz normal essen konnte. An dem Dienstagmorgen startete kurz nach dem Aufwachen wieder das Gedankenkarussel. Ich konnte diese Angstgedanken kaum noch kontrollieren. Ein winziger Gedanke von Selbstzweifeln löste eine Lawine in mir aus. Ich versuchte, diese Gedanken zu unterdrücken. Doch dies führte nur zu extremem Unwohlsein. Mir war schlecht, ich hatte wieder dieses eigenartige Gefühl im Bauch und dieser Magendruck ließ mich oft nicht los. Zusätzlich diese Traurigkeit und Leere in mir.

Auch etwas anderes geisterte ständig in meinem Kopf umher. Für den Großen stand im Mai seine 1. Klassenfahrt an und diese bereitete mir zusätzliche Sorgen. Ich hatte mich im September 2024 freiwillig als Begleitung gemeldet, weil ich aus verschiedenen Ängsten unbedingt dabei sein wollte. Ich hatte dieses große Bedürfnis und wollte ihn nicht allein fahren lassen. Es waren Ängste wie: Was, wenn ihm was passiert? Was, wenn es einen schlimmen Vorfall gibt? Ich hatte zu viel in den Nachrichten und Social Media gelesen über diverse Vorfälle bei Klassenfahrten. Das ließ mich einfach nicht los. Was, wenn er Heimweh bekommt? Ich wollte ihm Sicherheit geben.

Angstgedanken mit Panikattacke

Doch diese Sicherheit konnte ich mir selbst gar nicht mehr geben. Denn seit 2 Monaten spürte ich irgendwelche Schmerzen und dachte oft, was ist, wenn ich aufgrund irgendwelcher Schmerzen gar nicht die Klassenfahrt antreten kann. Diese Gedanken machten dieses Unwohlsein und meine Symptome nur noch schlimmer und es kam zur Panikattacke. Mit Herzrasen, schwitzend und schwer atmend saß ich am Abend weinend auf der Couch. Schluchzend sagte ich immer wieder: „Warum habe ich das getan? Warum habe ich mich freiwillig gemeldet? Ich kann das nicht. Ich schaffe das nicht.“ Mein Partner und der Große konnten das alles gar nicht verstehen, wie mich das so stark belasten konnte und versuchten, mich zu beruhigen. Ich beruhigte mich rasch und schaltete wieder in den Funktioniermodus. Was blieb war dieses unwohle Gefühl und der Druck im Magen, sodass ich am nächsten Morgen spucken musste.

Den Tag über versuchte ich zu arbeiten und konnte mich kaum konzentrieren. Diese ständigen Diagnosen, die ich in den medizinischen Berichten schrieb, schlichen sich in meinen Kopf und ich hörte noch mehr in meinen Körper hinein als es eh schon in den vergangenen Wochen der Fall war. Sonst war ich nie so ein Hypochonder. Ich hätte eigentlich alle halbe Stunde eine kleine Pause gebraucht. Doch das war bei meiner kurzen Arbeitszeit ja nicht drin. Auch war eine gewisse tägliche Leistung erforderlich, die ich schon länger nicht mehr erfüllen konnte, was auch beim letzten Mitarbeitergespräch angedeutet wurde. Ich wollte es besser machen und das löste zusätzlich so viel Druck in mir aus, sodass es mir noch schlechter ging. Am Abend war ich voller Traurigkeit und einfach unbeschreiblich erschöpft.

Arztbesuche

Ich konnte das nicht mehr, ich wollte Hilfe. Da meine Ärztin sich im Urlaub befand, suchte ich die Vetretungsärztin auf. Dort erzählte ich alles, was in den letzten Monaten passiert war. Ich brach in Tränen aus, konnte kaum sprechen und versuchte mich durch Atemübungen immer wieder zu beruhigen. Ich erzählte ihr von all den aufgetretenen Symptomen in den vergangenen Wochen, von der Traurigkeit, meiner Einsamkeit, meiner Erschöpfung, meinen Ängsten und meinen Schuld- sowie Schamgefühlen.

Die Ärztin verstand mich gut und erkannte schnell, was Sache war. Doch das war etwas, was ich zu diesem Zeitpunkt nicht akzeptieren konnte. Sie meinte aufgrund der ganzen Geschichte über das was seit Wochen und Monaten in meinem Kopf vorgeht, dass es sich um psychosomatische Symptome handelt und ich wohl Psychopharmaka benötige. Das war wie ein Schlag ins Gesicht für mich. Was ist, ich brauche Antidepressiva? In meinem Kopf ging es gleich wieder rund. Das kam für mich gar nicht infrage. Sie schrieb mich für 2 Tage krank.

Zur Mittagszeit nahm ich meinen ganzen Mut zusammen, fuhr zur Schule und suchte das Gespräch mit der Klassenlehrerin vom Großen. Unter Tränen erzählte ich ihr, dass es mir gesundheitlich momentan nicht gut geht und ich nicht als Begleitung mitkommen konnte. Die Klassenlehrerin war sehr verständnisvoll und wollte sich darum kümmern. Meine Schuldgefühle darüber, dass die Klassenfahrt meinetwegen ausfallen könnte, machten mich fertig. Noch am Nachmittag rief sie mich an und teilte mir mit, dass mein Vorschlag mit der Referendarin als Begleitung eine tolle Idee war und dies klappen würde. Mir fiel ein Stein vom Herzen und dennoch war da diese extreme psychische Niedergeschlagenheit, sodass ich am Nachmittag bei Google folgende Frage eingab: Wie komme ich aus einem emotionalen Tief wieder raus?

Mehr als nur ein emotionales Tief konnte ich mir zu diesem Zeitpunkt nicht eingestehen und wollte es mir auch gar nicht zugestehen. Schließlich war ich es doch, die sich seit Jahren mit dem Thema der Achtsamkeit und Dankbarkeit beschäftigte und anderen in solchen emotionalen Lebenssituationen helfen wollte. Nach einem Wochenende im Wechselbad der Gefühle von tief traurig bis gut drauf, von genervt und gereizt bis total erschöpft machte ich mich verzweifelt, verunsichert und extrem aufgeregt erneut auf den Weg zu der Vertretungsärztin. Sie erklärte mir, ich habe mich psychisch verrannt und dass mir Psychopharmaka aus diesem Tief helfen könnte. Sie gab mir ein Rezept mit und meinte, ich solle selbst entscheiden, ob ich es ausprobieren will oder nicht.

*****

An dieser Stelle beende ich den ersten Teil, damit der Blogbeitrag nicht zu lang wird. Weiter geht es im 2. Teil.

Liebe Grüße

Sabrina

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