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Und plötzlich war sie da, die Angst – Teil 2

Hallo ihr Lieben,

im letzten Beitrag habe ich euch mitgenommen durch den Anfang meiner Geschichte der vergangenen Monate mit Angst und Panik, ausgelöst durch eine depressive Episode. In diesem Teil soll es nun weitergehen:

Raus aus dem emotionalen Tief

Anfang Mai hatte ich durch meine Krankschreibung ein paar Tage Erholungszeit mehr gewonnen und das Thema mit der Medikation weckte den Ehrgeiz in mir. Mit der festen Überzeugung aus diesem Loch allein rauszukommen, fing ich an, Dinge in meinem Alltag zu ändern. Den ganzen Mai über hatte ich daran gearbeitet, durch mehr Struktur und gewisse gesunde Routinen einen Fortschritt zu entwickeln. Ich war oft mit der Zaubermaus draußen. Ich dachte, frische Luft und Sonne werden da schon helfen.

Da ich noch immer schwer allein sein konnte, suchte ich den Kontakt zu anderen Menschen, besonders zu meinen Freundinnen. Doch mein Alltag als berufstätige Mama war ständig eine Herausforderung für mich und wirklich leicht viel mir zu dem Zeitpunkt nichts. Alles fühlte sich nur noch nach Pflichten an: die Kinder, der Haushalt, die Arbeit und auch die neuen Routinen. Es mangelte mir zunehmend an Energie, Zufriedenheit und Ausgeglichenheit. Ich hatte das Gefühl, gar nicht mehr richtig gesund zu werden.

Es gab Tage, an denen ich überhaupt keine Lust hatte, mich um all die Dinge zu kümmern. Manchmal fiel es mir so schwer, mich aufzuraffen und mich um meine eigenen Bedürfnisse zu kümmern, wie z. B. Essen für mich machen. In den letzten Wochen hatte ich dadurch schon einiges an Gewicht verloren. Durch die Leere und Traurigkeit, die hin und wieder aufkamen, hätte ich mich am liebsten einfach nur im Bett vergraben. Zu viel ging mir im Kopf herum, mich plagten Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen. Ich war einfach gar nicht mehr entspannt, sondern dauerangespannt. Dinge, die mir sonst extrem viel Spaß gemacht haben und Freude bereiteten, lösten in mir kaum noch Gefühle aus. Ich fragte mich so oft: „Das soll es jetzt gewesen sein? Das ist mein Leben? Ist das einfach schon alles?“

In Gesprächen mit anderen fühlte ich mich nicht gesehen oder verstanden, erkannte dennoch, dass meine Unzufriedenheit irgendwie unnormal ausgeprägt schien. Ich dachte, ich müsse nur noch mehr an meinen Strukturen arbeiten, dann kommt das schon von allein wieder zurück. Da ich so sehr gegen diese Negativität in mir ankämpfte und sie eigentlich nur weghaben wollte, kam ich morgens nur noch sehr schwer aus dem Bett und war bereits nach dem Aufstehen schon völlig erschöpft. Ich hatte versucht, mich über kleine Dinge im Alltag zu freuen. Mein Tag erforderte einen gewissen Mut und Selbstberuhigung, dass es mir gut ging, da ich so oft ein Unwohlsein im Bauch verspürte. Zu dem Moment habe ich viel nach Inspiration gesucht, um mich wieder auf mein Selbstvertrauen und mein Wachstum zu fokussieren. Trotzdem stellte ich mir ständig die Frage: „Wie komme ich wieder voran?“

Irgendwie hatte ich mein Lächeln verloren. Wenn ich jetzt Selfies von mir ansehe, dann sehe ich keine wahre Freude in meinem Gesicht, besonders nicht in den Augen. Nach außen hin versuchte ich den Schein zu wahren, doch im Inneren tobte ein Sturm.

Panikattacke

In der letzten Mai-Woche kam es quasi zum Höhepunkt. Ich merkte mehr und mehr, dass ich irgendwie nicht mehr kann und dass die Überforderung sowie die Überlastung in meinem Kopf zu viel wurden. Doch mir blieb weiterhin nichts anderes übrig als zu funktionieren. In der Woche hatte die Zaubermaus extrem schlechte Laune, hat sehr viel geweint und geschrien und war kaum zu beruhigen. Ganz normale Dinge wie Kleidung anziehen, endeten in einem kompletten Drama. Ich sehnte das lange Wochenende herbei in der Hoffnung, eine Verschnaufpause zu bekommen. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, dann ist mir schon klar, dass die Zaubermaus mich eigentlich nur gespiegelt hat. Denn kleine Kinder haben für die Empfindungen und Sorgen der Erwachsenen besonders feine Antennen. Doch in der Woche war alles einfach nur anstrengend und zusätzlich hatte der Papa auch noch Spätschichtwoche.

Am Feiertag Christi Himmelfahrt/Vatertag/Herrentag spitzte sich meine Situation zu. Der Tag entsprach ganz und gar nicht meinen Vorstellungen. In den letzten Jahren war das ein Familientag geworden. In diesem Jahr war es ganz anders. Der Papa hatte für seinen Eventverein gearbeitet. Ich war den ganzen Vormittag mit den Kindern allein. Es gab hier und da was im Haushalt zu erledigen, Streitigkeiten mussten geschlichtet werden, Überzeugungsarbeit geleistet werden, dass Kleidung zu tragen eine gute Idee ist usw. Denn wir wollten noch zum Papa fahren. Schon zur Mittagszeit hatte ich das Gefühl, als hätte ich einen ganzen Tag mit 10 Kindern verbracht.

Autostrecken, die ich nicht besonders gut kenne, sind mir ein Graus, machen mich nervös und bringen mich extrem zum Schwitzen. Es gab weitere Streitigkeiten der Kinder im Auto auf der Rücksitzbank und in mir lief ein Film ab, wie der kommende Tag wohl aussehen wird, wenn wir mit einer Freundin und ihren Kindern im Tierpark verabredet sind. Das sorgte wieder und wieder für krasse Angstgefühle in mir. Tausend Mal „Was ist, wenn ….?“ Viel Zeit hatte der Papa für uns leider gar nicht und während der Große sich auch mal gut allein beschäftigte, verbrachte ich die Zeit mit der Zaubermaus auf dem Spielplatz. Ich lief mit der Kamera umher und machte schöne Fotos. Ein Spaziergang allein um den See, an dem wir waren, sorgte für kleine Glücksmomente.

Doch am Abend wollte die Zaubermaus einfach nicht zur Ruhe kommen, weinte, zappelte und schrie eine längere Zeit. Mein Versuch ruhig zu bleiben, scheiterte irgendwann. Denn ich sehnte einfach nur die Ruhe herbei und es passierte nicht. Völlig überfordert und als ob mein Kopf plötzlich von innen zerspringen würde, schrie plötzlich ich und weinte als sei ich am Kopf schlimm verletzt. Alles war zu viel. Ich schluchzte, hatte Herzrasen, konnte kaum atmen und ich hielt mir den Kopf als würde er sonst explodieren. Es war ein Gefühl, als würde ich verrückt werden und meinen Verstand völlig verlieren. Es war eine Panikattacke und ich konnte nicht flüchten. Der Zwerg kam ins Schlafzimmer und machte sich große Sorgen um mich. Er legte mir die Hand auf die Schulter und fragte mich, ob und wie er mir helfen kann. Auch die Zaubermaus hatte einen großen Schreck bekommen.

Mein Mutterinstinkt sprang wieder an: „Reiß dich zusammen. Die Kinder dürfen dich so nicht sehen, das macht ihnen Angst.“ Also schaltete ich wieder in den Funktioniermodus. In den nächsten 10 Minuten schlief die Zaubermaus zum Glück ein. Ich versuchte, sie mit meinen Worten und mit Gesang zu beruhigen. Für mich tat ich das ebenfalls. Bei mir leider ohne Erfolg, schwitzend lag ich neben ihr, sodass ich nach 10 Minuten komplett durchgeschwitzt war und mich umziehen musste. Auf die Hitzewelle folgte ein Zittern am ganzen Körper und mir war so unfassbar schlecht. Ich ging zu dem Zwerg, der in der Stube noch Fernseher schauen konnte. Kaum hatte ich ausgesprochen, wie übel mir sei, da kam es mir auch schon hoch und in der darauffolgenden halben Stunde war ich fast durchgängig am Spucken. Die schlimmste Panikattacke meines Lebens.

Der Große kam zwischendurch, streichelte mir den Rücken und wollte mir helfen. Ich sagte ihm, dass alles in Ordnung ist. In mir kamen große Schuld- und Schamgefühle auf. Ich fühlte mich wie eine Versagerin und teilweise auch so allein mit den Kindern. In meinem Kopf hallte es: „Wie kannst du nur von dem Alltag so überfordert sein? Andere schaffen das doch auch! Manche haben sogar noch mehr Kinder, um die sie sich kümmern. Wie kannst du so gestresst sein? Du arbeitest doch nur 5 Stunden am Tag!“

Ich brauchte einige Tage, um mich körperlich wieder von der Panikattacke zu erholen. Gespräche auf dem Spielplatz mit der Freundin, mit der ich eigentlich in den Tierpark wollte, halfen mir, mir einzugestehen, dass irgendwas ganz und gar nicht stimmt. Dass es mir einfach überhaupt nicht gut geht und ich ärztliche Hilfe brauche. Daraufhin meldete ich mich nach dem Wochenende krank und fuhr zu meiner Hausärztin.

An dieser Stelle ist ein guter Punkt, um erst mal eine Pause zu machen.

Liebe Grüße

Sabrina

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